Einige Monate lang war es ruhig auf der ehemals bewaldeten, jetzt schon seit Monaten gerodeten Fläche an der Bundesstraße in Suddendorf, gelegen zwischen Bad Bentheim und Schüttorf. Jetzt sind die Bauzäune aufgestellt und die Bagger rollen an: Hier, strategisch günstig zwischen zwei Wassernetzen gelegen, wird ein rund 3000 Kubikmeter fassender, neuer Trinkwasserspeicher gebaut. Am Dienstagvormittag trafen sich für den traditionellen Spatenstich Vertreter des „Trink- und Abwasserverbandes Bad Bentheim, Schüttorf, Salzbergen und Emsbüren“ (TAV) sowie der ausführenden Baufirma auf dem Gelände. Damit startet ein großes Projekt, das langfristig mehr Sicherheit in der Versorgung der Obergrafschaft mit ausreichend Trinkwasser schaffen soll.
Wie ist der Trinkwasserspeicher aufgebaut?
„Im Wesentlichen bauen wir zwei große Betonbecken von etwa vierzig mal zwanzig Metern und entsprechender Tiefe, die jeweils 1.500 Kubikmeter Wasser fassen können“, berichtet Oberbauleiter Thomas Budden vom Bauunternehmen Hofschröer in Lingen, das den Speicher errichtet. Von dem Speicher selbst wird man später gar nicht viel erkennen: Er ist zum Teil in den Boden eingelassen und die gewölbte Decke wird begrünt. Lediglich die zur Straße liegenden Eingangstore werden gut zu sehen sein. „Der Speicher kann, wenn er fertig ist, sowohl von der Schüttorfer Seite, als auch von der Bad Bentheimer Seite mit Wasser befüllt werden – und auch entsprechend Wasser abgeben“, erklärt TAV-Wassermeister Jens Herrmann.
Warum wird der Speicher gebaut?
Der gesicherten Trinkwasserbehälter soll insbesondere Wasser für besonders trockene Tage „zwischenlagern“. Weil das Trinkwasser, wenn es heiß wird, manchmal schneller verbraucht wird, als es in den Wasserwerken aufbereitet werden kann, kam es in den vergangenen Jahren mitunter schon zu besorgniserregenden Engpässen in der Trinkwasserversorgung der Obergrafschaft (die GN berichteten). In den Speichern kann sozusagen „vorproduziertes“ Wasser gelagert werden – wenn sich wegen der Nachtstunden beispielsweise der Verbrauch an heißen Tagen wieder reduziert. Gleichzeitig erhöht sich mit dem Wasser aus dem Speicher die Gesamtmenge an kurzfristig verfügbarem Trinkwasser in der Obergrafschaft.
Sind noch weitere Baumaßnahmen geplant?
Zum Speicher gehören auch weitere Druckerhöhungspumpen, denn: „Wir werden die Zuleitungen zum Speicher ebenfalls erneuern“, berichtet TAV-Geschäftsführer Daniel Kollbach. Die bisher an dieser Stelle vorbeilaufenden Wasserleitungen sind für die Mengen, die hier künftig entlang fließen sollen, zu klein. „Deswegen werden wir entlang der Bundesstraße auf der anderen Straßenseite neue Leitungen mit einem größeren Durchmesser verlegen“, ergänzt er – ein aufwändiges Verfahren, für das die Bundesstraße voraussichtlich auch einmal für längere Zeit halbseitig gesperrt werden müsse. Das genaue Baufenster dafür stehe aber noch nicht fest. Jetzt ist erst einmal der Trinkwasserspeicher dran, der ohne Straßenbeeinträchtigung gebaut werden kann – von gelegentlich dorthin fahrenden Baumaschinen einmal abgesehen.
Was kostet das Ganze?
Der Speicher kostet den TAV insgesamt rund 4,5 Millionen Euro – 3,6 Millionen Euro allein für den Bau, der Rest für die Ausstattung. Hinzu kommen noch einmal weitere Kosten für die neuen Leitungen. Kollbach bedankt sich mit Blick auf die jahrelangen Vorbereitungen zum Speicher- Projekt vor allem bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises für die gute Zusammenarbeit mit Blick auf den Artenschutz und Kompensationsmaßnahmen sowie bei der Fürst zu Bentheimschen Domänenkammer, die das Grundstück zur Verfügung gestellt hat. Als Kompensation für den Eingriff in den Wald und die Natur wurde in Gildehaus bereits ein 1,6 Hektar umfassendes, neues Waldstück in Zusammenarbeit mit der Naturschutzstiftung Grafschaft Bentheim angelegt. Auch das verursacht Kosten – sogar über den Bau hinaus, denn der TAV muss die neu angelegten Waldflächen auch selbst unterhalten.
Welche Probleme gab es im Vorfeld zu bewältigen?
Wegen des Bau-Areals des Speichers hatte es in der Vorbereitung einigen Streit gegeben. Der Landkreis befürwortet das Projekt nach eigenen Angaben zwar, kritisierte jedoch, dass die dafür notwendigen Baumfällungen vorgenommen wurden, ohne dass eine Genehmigung beantragt wurde. Somit hätten im Vorfeld notwendige naturschutzrechtliche Kartierungen, die auch maßgeblich für die Bewertung von Ausgleichsmaßnahmen sind, nicht mehr durchgeführt werden können (die GN berichteten). Gegen den verhängten Bußgeldbescheid legte die Fürst zu Bentheimsche Domänenkammer Einspruch ein. Nach deren Auffassung habe es sich um eine „nicht genehmigungspflichtige Waldverjüngung“ gehandelt. Ein Gericht klärte schließlich über einen Gutachter, dass es sich in der Tat um eine ordnungsgemäße Waldbewirtschaftung handelte.
Wie lange wird gebaut?
Gebaut wird erst einmal bis zum Herbst 2025 – dann soll der Speicher fertig sein. Parallel wird bereits mit den Leitungsarbeiten entlang der Bundesstraße begonnen. Bis zum Frühjahr 2026 soll dann alles fertig sein und die ersten Kubikmeter Wasser in den Speicher – und bei Bedarf auch direkt wieder hinaus – fließen können. Denn: Das Wasser wird eigentlich nicht eingelagert, sondern in einer ständigen Fließbewegung unentwegt ausgetauscht – und ist damit immer frisch, wenn es später bei den Kunden aus dem Hahn kommt.
© Sascha Vennemann/ GN
